Kommentare

ich befürchte es ist sinnlos, gegen den technischen fortschritt anzukämpfen. hand auf's herz: wenn man im zeitdruck mit seiner zvierischoggi zum kassenbereich wetzt und bei der kassenfrau stehen schon zwei mit vollem körbchen, weil sie aus prinzip nur mit bargeld zahlen und die kassenfrau dreht die rande vier mal um die eigene achse um mit dem handscanner den zerknitterten strichcode zu erfassen, was dann aber trotz alle mühe nicht gelingt, so dass sie den strichcode zweihändig auseinanderzieht und die lesebrille hervorkramt und dann jede einzelne zahl abliest und in die kasse eingibt, ist es doch einfach hammermässig, bei der elektrokasse durchzufetzen, die schoggi im laserlicht herumzudrehen und den strichcode zu erfassen und dann rasend fünf mal "vorwärts" zu tippen und die postfinancekarte in den schlitz zu schieben und den kauf in 15 sekunden abzuschliessen. das ist ein fortschritt.

@2 Seiten und flanör:
Unfreundlichkeit an der Kasse? Da müsste ich lang nachdenken wann mir das das letzte Mal passiert ist. Vielleicht schallt es auch ein wenig aus dem Wald heraus wie es hineinruft - ohne euch jetzt etwas unterstellen zu wollen.
Ich jedenfalls stehe weiter gerne an der Kasse und habe den Eindruck da auch kaum länger zu brauchen. Wenn überhaupt.
Ich erinnere mich auch noch gut wie mein Vater die Einführung der Rohrpost an seinem Arbeitsplatz im Spital bekämpfte, mit dem Argument, dass einerseits Leute die sonst hinten runter fallen immer noch als Bürobote ein Auskommen finden könnten und andererseits lebendige Büroboten in den Korridoren verirrte Besucher auflesen können.
Das war Anfang der 80er, also vor 35 Jahren. Die Digitalisierung macht nur einen neuen Höhepunkt der Sparverirrungen möglich.
Lösen lässt sich das Problem nur politisch und das bedeutet, dass eine grosse Zahl von Menschen verantwortlich handeln müssen (Müssen muss natürlich niemand - dann bleibt das Problem halt ungelöst bis wirklich ein Bürgerkrieg ins Haus steht wie 1883 als der olle Bismarck in Deutschland die Sozialversicherungen eingeführt hat um den zu verhindern). Jede und Jeder für sich allein und im Bewusstsein dass:
"Was ich Einzelmensch unter Millionen tue macht den Käs nicht fett." eine Ausrede ist.
Frohe Weihnachten

Ich stehe genau aus den im Beitrag genannten Gründen gerne und konsequent in der Schlange neben dem "self-checkout". In der Not könnte es vielleicht mal passieren, dass jemand seinen Kaugummi so unglücklich im "self-checkout" verliert, dass dieser ausgerechnet am Scanner kleben bleibt? Ich habe nichts empfohlen, nur Schreckszenarien entwickelt für Leute, die dieses Ding wirklich nutzen! ;-)
Bravo, Venanz Nobel! Damit leistet du einen wertvollen Beitrag zur Schaffung neuer Arbeitsplätze für "Niedrigqualifizierte", welche die Kaugummis stundenlang aus den Scannern kratzen können. Soll noch einer sagen, die Digitalisierung führe zum Abbau von Jobs.
...und damit den Scanner unbrauchbar machen für Leute, die wirklich in Eile sind? Das ist wohl der gleiche Schlag von Soziopathen, die die QR-Codes der obikes beschädigen und damit den Leuten schaden, die mal eben schnell zum Bahnhof kommen müssen.
Vandalismus trifft meistens die falschen.

Aufruf zur Gegenrevolution? REVOLUTION?
Und die Revolution der Self-Scanning-Station ist Back to the Kassiererin?
Naaa wohl kaum...
Eine echte Revolution wäre Heimanbau und Brot-selber-backen ;-)

Der Digitalisierung die Schuld zu geben ist eine Möglichkeit, aber kein Lösung. Es ist eine Entwicklung, die sich nicht aufhalten lässt, da wir alle mehr oder weniger direkt von ihr profitieren. Die Frage ist wie wir als Gesellschaft die grossen Gewinne, die durch die Digitalisierung anfallen, gerecht verteilen. Ob wir sie neben denen, die ohnehin bereits viel haben auch jenen zugutekommen lassen, die aufgrund des Wandels verlieren. Wie beispielsweise den Kassiererinnen. Die Probleme werden also nicht gelöst indem man einen Wandel aufzuhalten versuch oder gegen ihn wettert. Sie werden gelöst indem man sich politisch einsetzt für eine höhere Besteuerung von Erbschaften, gerechtere Besteuerung von grossen und multinationalen Firmen und Investitionen in Bildung.

Danke für den Kommentar und das Lancieren der Diskussion. Bin deiner Meinung. Wir Konsumenten sind in der Pflicht und müssen die Rahmenbedingungen mitgestalten.
Genf fährt einen spannenden Ansatz, welcher leider abgelehnt wurde: www.blick.ch
Diese Diskussion ist überfällig. Durch Robotik, Automatisierung, Algorithmen, etc. ersetzte Arbeitsplätze müssen besteuert werden. Unternehmen haben eine soziale Verantwortung, die sie wahrnehmen müssen. Die entfallenden Lohnkosten betreffen die Person direkt. Die fehlenden Sozialabgaben (AHV, ALV, etc.) betreffen uns alle doppelt.
Das Diktat des Neoliberalismus bringt uns an den Anschlag - ökologisch, sozial und ethisch. Unternehmen haben zu viele Rechte und müssen kaum Verantwortung für ihr handeln übernehmen.
Obwohl wir im internationalen Vergleich bereits eine fortgeschrittene Diskussion zu dem Thema haben (z.B. war das Grundeinkommen bereits an der Urne), geht's nur träge voran. Wichtig ist, dass wir alle auf das Problem aufmerksam machen, uns in unserem Umfeld darüber unterhalten und Bewusstsein schaffen. Es braucht grundlegende Veränderungen in unserem Sozialstaat oder Leute mit einfachen Jobs wird's zukünftig schlechter gehen.
Das Grundeinkommen ist für mich das glaubwürdigste und hoffnungsvollste Szenario. Es fördert Unternehmertum, entschlackt den Staat, schafft mehr Unabhängigkeit, bekämpft Lohn-Dumping und stärkt den Sozialstaat.

Was für ein Artikel! Treffend, intelligent und engagiert! Das Sujet ein Ärgernis, schon lange. Es kann nicht angehen, dass immer mehr Arbeitsstellen für ein perfides und menschenverachtendes System, nur der Profitgier einiger weniger, geopfert werden. Das ist 68er Rhetorik, ich weiss, aber leider bringt es das genau auf den Punkt.
Da ist ein Kommentar über die Problematik des Personals! Ein paar Tage Ausbildung müssen genügen (das kostet ja) und ab an Regale, Stände, Kassen und auf die Kunden losgelassen. Kompetenz, Freundlichkeit und Effizienz, bleiben da voraussen. Mir scheint, das ist Absicht und Kalkül. Die Spaghetti Packungen werden zusammen gequetscht und in die Regale geschmissen, die Äpfel von Kisten in die Körbe der Stände gekippt, wie Abfall. Spielt doch alles keine Rolle, warum auch, der Kunde frisst's ja! Umdenken wäre angesagt, sofern Mann/Frau fähig dazu wären. Und dort liegt das Problem - denn irgendwann füllen wir die Regale ja noch selber auf.

Ich rechne euch dieses soziale engagement an, leider scheitert viel goodwill genau an den Menschen denen wir helfen wollen.
Zum Beispiel habe ich bis vor kurzen auch lieber die Kassiererin als die Self-scanning Kasse bevorzugt. Leider wird man von diesen Menschen oft ignoriert und nicht mal gegrüsst, manchmal sogar kundenUNfrenudliche behandelt. Daher sehe ich keinen Grund mehr Menschen zu unterstützen die selber kein Engagement zeigen. Besonders oft sitzen da sehr unmotivierte und unfreundliche Mitarbeiter. Das umgehe ich mittlerweile lieber. Ich bin mehr für Hilfe zur Selbsthilfe....und egal ob gelernt oder nicht, wer Einsatz und Wille zeigt kommt immer weiter. Evtl. auch in einem anderen Job:)

vorläufig herrscht in den usa, deutschland und ch im gegensatz zu früher praktisch vollbeschäftigung, dies trotz aller automatisierung und internet. oder deswegen?

Euer Engagement für die Kassiererinnen in Ehren – aber ist euch auch bewusst, wie stark der stationäre Detailhandel durch den Online-Handel unter Druck steht? Es sind die nicht die Selfscanning-Kassen, die den Job des Filialpersonals gefährden, sondern die immer stärker zunehmenden Einkäufe im Internet.
Ja, ich gebe es zu, ich habe mich auch schon darüber genervt, wenn nur eine normale Kasse besetzt war und ich – mit vollem Einkaufskorb – das ganze Zeug selbst einscannen „musste“. (Aber auch ich hatte die Wahl und hätte anstehen können.) Trotzdem frage ich mich schon ein wenig, weshalb gerade diese Selfscanning-Kassen für alles Böse, das die technische Entwicklung mit sich bringt, herhalten muss. Dass wir schon lange Geld und Tickets von Automaten beziehen, ist dann offenbar wieder eine ganz andere Sache.
Die Robotersteuer halte ich für einen (schlechten) Witz. Welche Maschinen will man damit besteuern? Auch die Maschine, die Teig knetet, was ja früher auch einmal ein Bäcker gemacht hat? Die Nähmaschine? Die Melkmaschine? Wo genau zieht man die Grenze?
Und nein, es werden nicht nur Stellen für hochqualifiziertes Personal geschaffen: Online-Händler brauchen ziemlich viele Menschen, die die ganzen Päckli verpacken und später die Retouren wieder auspacken.
Wenn man für den Job der Kassiererin kämpfen will, dann tut man es am besten, wenn man in stationären Läden einkauft und nicht online. Macht ihr das?
Zustimmung bei den Kleiderläden. Bei den Lebensmitteln denke ich aber es braucht noch etwas, bis das Zusammenstellen von einem Lagerroboter erledigt werden kann, und dann muss das ganze ja auch schnell genug zum Empfänger kommen... Nimmt mich Wunder, wie viel Handarbeit [email protected] noch hat.
Sehe ich nicht ganz so. Beispielsweise sind besonders Kleiderläden sehr, sehr stark unter Druck durch den Online-Handel. Und Amazon glaubt offenbar stark daran, dass künftig vermehrt Lebensmittel online eingekauft werden - das lassen zumindest die Investitionen in diesen Bereich vermuten.
Nun, ich glaube man muss unterscheiden zwischen dem Handel mit hochpreisigen versendbaren Waren und niedrigpreisigen nicht versendbaren. Lebensmittel wird man noch eine Weile selbst einkaufen, und liefern lassen würde nur noch mehr Arbeitskraft benötigen. Und das sind die Massenmärkte. Laptops kauft man selten, da halten sich wahrscheinlich die Jobs im Versandhandel und stationären Handel die Waage. Da ist es eher die Fläche, die es teuer macht.

Ich arbeite selbst in der IT/Automatisierung, und ich unterstütze deinen Aufruf zu 100%. Wir brauchen eine gewisse Menge an Stellen, die Ungelernte ausüben können. Ich stelle mich auch (zumindest wenn es die Zeit erlaubt) eher an der bedienten Kasse an, obwohl ich nicht unbedingt Lust auf menschliche Interaktion habe. Aber diese Art von Stellen muss erhalten bleiben!
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