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29.11.2007
Wisi: Odermatt in Afrika (Teil 8)
Wisi: Odermatt in Afrika (Teil 8)
Odi immer noch in Sansibar: Für Einheimische und Geizhälse verkehrt das Flying Horse zwischen Dar es Salaam und Sansibar, wobei Erstere nur auf dem VIP-Deck geduldet werden. Dort wird während der vierstündigen Fahrt in gemütlicher Sofaecken-Atmosphäre The Message (USA, 1976) mit Anthony Quinn gezeigt (ohne Bildnis des Propheten!), ehe sich ein junger Moslem im Sackkleid um führerlose Schäfchen kümmert. Obwohl Steinigungen nicht prinzipiell schlimmer sind als Neugeborene mit Nestle-Milchpulver zu entwöhnen, habe ich dankend abgelehnt, und dann nochmals und nochmals, und betont dass mich Religion wirklich keinen Deut schert, und dann ganz schnell ein paar Kopfhörer aufgesetzt. Den trinkgeldhungrigen Laufburschen am Hafen von Sansibar Town bin ich entronnen, indem ich ins benachbarte Institut für Ozeanographie flüchtete, wo ich Yohanna wieder traf, der den Flieger aus Mombasa genommen hatte. Nach dem Austausch von einigen Floskeln und viel Händeschütteln empfahl mir Yohanna ein Hotel in der nahe gelegenen Altstadt, das ich alleine allerdings nie würde finden können. Er vermachte mich an einen der lauernden Laufburschen, der mich natürlich ganz woanders hin brachte, wo eine höhere Kommission lockte. Macht aber nichts, irgendwann endete ich schliesslich im Flamingo Guesthouse, weil ich mich dem Chame von zu Lampenschirmen umfunktionierten Mülleimern nicht verschliessen konnte. Am ersten Frühstückstisch auf der Dachterrasse des Flamingo unterhielt ich mich mit ein paar Dummbroten darüber, dass sowas moslemisches wie Sansibar Town keine zwei Kirchen haben kann, und dass deshalb die katholische Kirche wahrscheinlich eine Moschee ist, weil die anglikanische Kirche einen eckigen Turm hat. Minarettverbot für Bildungsbürger ahoi. Unter Angabe vorgetäuschter Fakten habe ich mich von meiner Tischgesellschaft entfernt, um mich mehrmals in den engen Gassen und Souvenirshops von Stone Town zu verlaufen. Starker Regen hielt aufdringliches Vekaufspersonal in Schach, und wenn ich mal irgendwo zum abtropfen ein paar Tinga Tingas, Teebeutel oder Holzmasken anguckte, ergaben sich sehr angenehme Gespräche. So wie mit Tobias, einem Rastafari, der sich darüber beklagte, dass die Moslems ihm den Ramadan aufzwängen, und die Europäer seinen skurrilen Namen Er hätte nämlich auch einen suahelischen Namen, Kunta Kinte, und ich msste ein bisschen lachen, aber es war sein Ernst, und wir verstanden uns trotzdem gut.

 
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